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Unterwegs in Deutschland

Die Flasche ging von

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Das Dampfschiff und das Geheimnis der vergessenen Insel.

Das Dampfschiff erwacht.

Die Sonne stand tief über dem Horizont, als Lena das alte Dampfschiff zum ersten Mal sah. Es lag am Rand des Hafens, versteckt hinter den Schatten der Kaimauer, als hätte es sich selbst in Vergessenheit gebracht. Rost hatte sich an die Nieten geschlichen, das Holz war gesprungen, und doch, es schien zu leben. Ein leises Pfeifen kam aus dem Schornstein, fast wie ein Flüstern. Lena blieb stehen. Ihre Hand umklammerte die Reisetasche fester. „Das ist es“, sagte Jonas hinter ihr. Er klang nicht überrascht, nur sicher. Sie nickte, ohne ihn anzusehen. Es war nicht der Luxusliner, den ihre Eltern vorgeschlagen hatten. Nicht das Boot mit den Cocktails am Pool, den massierten Schultern und den gebuchten Ausflügen. Es war etwas anderes. Etwas Altes. Etwas Wahrhaftiges. Jonas stieg zuerst an Bord. Seine Schritte hallten auf dem Holz, als er die Planke betrat. Sie folgte, langsam, als müsste sie sich erst daran gewöhnen, dass dies kein Traum war. Unten im Bauch des Schiffes brannte Licht. Eine Gestalt beugte sich über eine Kiste, redete leise mit sich selbst. Als sie näher kamen, hob sie den Kopf. „Ah“, sagte die Frau. „Ihr seid die Hochzeitsreisenden.“ Lena zuckte zusammen. Der Begriff klang hier seltsam. Wie ein Fremdwort in einer fremden Sprache. „Nicht ganz“, sagte Jonas. Die Frau lächelte. „Doch. Ihr seid es. Nur wisst ihr es noch nicht.“ Ein Windstoß pfiff um die Kommandobrücke des Schaufelraddampfers. Irgendwo knarrte und knackte ein Metallrohr. Und dann hörten sie das Geräusch, das alles veränderte: das Stampfen einer Dampmaschiene, die seit Jahren nicht mehr gelaufen war. Das Dampfschiff erwachte.

Die Insel der vergessenen Namen.

Das Dampfschiff glitt durch das Wasser, als hätte es nie etwas anderes getan. Die Wellen teilten sich wie eine unsichtbare Tür, und Lena spürte den Rhythmus des Schiffes in ihren Knochen. Es war kein moderner Kahn mit GPS und Klimaanlage. Es war ein Lebewesen aus Holz, Metall und Erinnerung. Jonas stand an der Reling, die Hände um eine Tasse Kaffee geschlossen. Sein Blick folgte dem Horizont, als würde er dort etwas sehen, das sie noch nicht kannte. „Warum hast du dieses Schiff ausgewählt?“, fragte sie. Er lächelte. „Habe ich nicht.“ Lena runzelte die Stirn. „Es hat uns ausgewählt“, sagte Jonas. Die alte Frau, die sich als Kapitänin entpuppte, hatte ihnen keine Karte gezeigt. Keine Route. Kein Ziel. Nur einen Satz: „Folgt dem Wind. Und wenn ihr die Insel seht, steigt nicht aus. Fragt nach dem Namen.“ Jetzt sahen sie die Insel. Sie ragte plötzlich aus dem Dunst, als wäre sie eben erst entstanden. Grün. Hoch. Still. Keine Palmen. Kein weißer Sand. Nur Felsen, Nebel und das Echo eines Vogelrufs, das über das Wasser hallte. Als sie anlegten, war da niemand. Kein Hafenmeister. Keine Touristen. Nur ein Pfad, der in den Wald führte. Lena griff nach Jonas’ Hand. „Und jetzt?“ Er nickte Richtung Pfad. „Jetzt fragen wir nach dem Namen.“ Die Luft roch nach Salz und altem Holz. Ein Geruch, der nicht zum Meer gehörte. Nicht zur Insel. Sondern zu etwas, das schon lange hier wartete. Irgendwo hinter den Bäumen erklang eine Glocke. Einmal. Zweimal. Dreimal. Und dann hörten sie die Stimme. Leise. Alt. Bestimmt. „Wer sucht die Erholung, muss zuerst den Namen nennen.“ Lena blieb stehen. „Welchen Namen?“ Die Stimme antwortete nicht. Stattdessen begann der Weg, sich zu bewegen.

Der Name, der nicht genannt werden durfte.

Der Pfad wand sich tiefer in den Wald. Die Bäume standen enger, ihre Blätter flüsterten Worte, die Lena nicht verstand. Sie berührte die Rinde eines Stammes – kalt, obwohl die Sonne brannte. „Siehst du das?“, fragte sie. Jonas nickte. „Ja.“ Ein Stein lag am Wegrand. Nicht besonders groß. Aber auf ihm stand ein Name. Ein einziger. Anja. Lena las ihn laut. Kaum ausgesprochen, verstummte das Flüstern der Bäume. Die Luft wurde schwer. Ein Schatten huschte vorbei. Eine Gestalt. Groß. Dünn. Mit einem Stock. „Nicht den Namen aussprechen!“, rief die Stimme von vorhin. Lena zuckte zurück. „Aber er steht hier!“ „Dann ist sie noch hier.“ Die alte Frau trat zwischen den Bäumen hervor. Ihr Gesicht war zerfurcht, die Augen klar. Sie trug ein Gewand aus Leinen, und um ihren Hals hing eine Kette aus kleinen Steinen. „Anja war Teil einer Reise“, sagte sie. „Einer Hochzeitsreise.“ Jonas stellte die Frage, die Lena dachte: „Was ist passiert?“ Die Frau schwieg lange. Dann deutete sie auf eine Tür im Fels. „Geht hin. Findet es heraus.“

Die Tür aus Stein und Rauch.

Die Tür war nicht zu sehen, bis man direkt davorstand. Sie schien mit dem Fels verwachsen, nur eine Linie im Gestein. Doch als Lena die Hand darauf legte, öffnete sie sich. Drinnen war es warm. Nicht heiß. Sanft. Wie ein Atemzug. Im Inneren fanden sie einen Raum, gefüllt mit Bildern. Bilder von Menschen. Paaren. Familien. Alle hatten hier gestanden. Alle hatten einen Namen gesagt. Nicht immer den richtigen. Eine Wand war leer. Ein Platz für neue Reisende. „Du solltest nichts sagen“, flüsterte Jonas. „Warum nicht?“ „Weil der Name Kraft hat. Weil er dich bindet.“ Ein leises Knistern. Ein Licht. Etwas regte sich im Raum. Ein Buch lag auf einem Podest. Geschlossen. Doch als Lena näher kam, öffnete es sich. Die erste Seite zeigte einen Eintrag: Anja und Lars – Hochzeitsreise, 1998 Gefunden: Ja. Verloren: Ja. Lena blätterte weiter. Andere Namen. Andere Jahre. Jede Geschichte endete gleich: Gefunden: Ja. Verloren: Ja. „Was bedeutet das?“, fragte sie. Jonas antwortete nicht. Er starrte auf die letzte Seite. Noch leer. Bis auf zwei Worte: Lena und Jonas „Wie kann das sein?“, hauchte sie. Die Tür hinter ihnen schloss sich langsam.

Das Ritual der Zeit.

Die alte Frau betrat den Raum, ohne dass sie gehört hatten, wie sie folgte. „Ihr seid nicht die Ersten“, sagte sie. „Aber ihr könnt die Letzten sein.“ Sie reichte ihnen je einen Becher mit einer dunklen Flüssigkeit. „Trinkt. Und ihr werdet sehen.“ Lena zögerte. „Was ist das?“ „Wellnessurlaub“, sagte die Frau. „Aber nicht so, wie ihr ihn kennt.“ Jonas nahm einen Schluck. Lena tat es ihm nach. Die Welt verschwand. Sie sahen Anja. Sahen Lars. Eine Hochzeit, die vollkommen erschien. Eine Reise, die gut begann. Doch dann – ein Streit. Eine Entscheidung. Ein Name, der ausgesprochen wurde. „Ich will nicht mehr“, sagte Anja. „Dann bleib“, antwortete Lars. Und sie blieb. Als Lena wieder bei sich war, atmete sie schwer. „Sie ist hier.“ Jonas nickte. „Irgendwo.“ Die alte Frau saß nun auf einem Stein, den es vorher nicht gegeben hatte. „Wenn ihr geht, müsst ihr einen Namen wählen.“ „Welchen?“ „Entweder euren eigenen. Oder einen neuen.“ Lena blickte auf die leere Seite im Buch. „Und was passiert, wenn wir unseren Namen wählen?“ Die Frau lächelte. „Dann bleibt ihr hier. Für immer.“

Die Wunde im Wald.

Sie verließen den Raum. Draußen war es stiller geworden. Als hätte die Insel gelauscht. Der Pfad führte weiter. Diesmal durch einen Wald aus silbergrauen Bäumen. Ihre Blätter glitzerten, als wären sie mit Mondlicht bestäubt. „Wohin gehen wir?“, fragte Lena. „Zur Quelle“, antwortete Jonas. „Woher weißt du das?“ „Ich fühle es.“ Je tiefer sie kamen, desto schwerer wurde die Luft. Nicht stickig. Nicht feucht. Sondern voll. Mit Gedanken. Mit Erinnerungen. Plötzlich blieb Jonas stehen. „Da ist jemand.“ Eine Gestalt kauerte zwischen den Wurzeln. Jung. Weiblich. Sie weinte. „Ich habe meinen Namen vergessen“, schluchzte sie. „Ich sollte hier sein. Aber ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Lena kniete nieder. „Wie heißt du?“ „Ich... ich...“ „Erinnerst du dich an deine Reise?“ „Wir wollten heiraten. Wir wollten hier Urlaub machen. Aber dann... dann habe ich etwas gesagt.“ Lena verstand. „Du hast deinen Namen genannt.“ Die junge Frau nickte. „Und seitdem... bin ich irgendwie verblasst.“ Jonas streckte die Hand aus. „Dein Name ist noch da. Du musst ihn nur finden.“

Die Quelle unter dem Fels.

Die Quelle lag verborgen hinter einem Fall von Ranken. Das Wasser war klar, aber es reflektierte nicht. Es sog alles ein. Selbst das Licht. Lena tauchte ihre Hand ins Wasser. Es fühlte sich an wie Haut. Warm. Lebendig. Jonas folgte ihrem Beispiel. Ein Bild erschien. Deutlich. Anja. Auf der Insel. Lächelnd. Glücklich. Doch dann änderte sich das Bild. Sie sprach mit jemandem. Mit einem Mann, den Lena kannte. Mit Jonas. Er sah es auch. „Ich war schon mal hier.“ Seine Stimme klang fremd. „Ohne dich.“ Lena drehte sich um. „Du hast mir nie davon erzählt.“ „Weil ich es vergessen habe.“ Das Wasser pulsierte. Zeigte mehr. Jonas. Mit einer anderen Frau. Vor Jahren. Die gleiche Reise. Die gleiche Insel. Die gleiche Tür. Er hatte seinen Namen genannt. Aber nicht bleiben wollen. Also hatte die Insel ihn freigegeben. Ohne Erinnerung. Lena sah ihn an. „Bist du deshalb hierhergekommen? Um dich daran zu erinnern?“ Er antwortete nicht. Stattdessen hob er seine Hand aus dem Wasser. Tropfen fielen auf den Boden. Wo sie landeten, wuchs etwas. Blüten. Rot. Leuchtend. „Das ist keine Erholung“, flüsterte Lena. „Das ist ein Preis.“

Der letzte Name.

Die alte Frau wartete am Ufer, als sie zurückkehrten. „Habt ihr euch entschieden?“, fragte sie. Lena blickte auf das Boot. „Wir können doch einfach wegsegeln, oder?“ „Nein“, sagte Jonas. „Das geht nicht.“ Die Frau nickte. „Die Insel lässt euch nur gehen, wenn ihr einen Namen gebt. Euren. Oder einen neuen.“ Lena sah Jonas an. „Willst du bleiben?“ Er schüttelte den Kopf. „Aber ich glaube, ich muss.“ Lena dachte an ihre Reise. An ihre Ferien. Ihren Hochzeitsurlaub. Sie wollte nicht allein zurückkehren. „Dann geben wir einen neuen Namen ab“, sagte sie. „Wir sind nicht sie. Wir sind wir.“ Die Frau hielt ihr eine Feder hin. Lena nahm sie. Bevor sie schrieb, blickte sie auf das Wasser. Auf das Schiff. Auf Jonas. Dann setzte sie den Namen auf das Blatt: Lena und Jonas Die Insel bebte. Die Tür im Fels schloss sich. Die Bäume beugten sich. Die Dampfschiffpfeife war zu hören. „Ihr habt euch entschieden“, sagte die alte Frau. „Aber wisst ihr, was das bedeutet?“ Jonas griff nach Lenas Hand. „Nein“, sagte er. „Aber wir sind bereit.“ Die Insel lachte. Und ließ sie ziehen.


Mit herzlichem Dank und Respekt für das Unbekannte,
Ihr Sammler von Erinnerungen an die Dampfschifffahrt, die niemand sonst findet.

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*Der geneigte Leser möge entschuldigen, dass wir nicht alle Orte und Namen nennen, die im Lauf der Zeit verschwanden oder verändert wurden, von Kriegen bis hin zu politischen Umbrüchen und sprachlichen Reformen. Stattdessen bitten wir um Verständnis, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren, auf die Stille, die sich auf der Insel regt, auf das Schiff, das niemand erwartet, und auf den Gedanken, der uns trägt, nicht wie ein Schicksal, sondern wie eine Wahl, die wir treffen, wenn wir endlich bereit sind, uns selbst zu finden.

Quellenangaben:
Inspiriert von den leisen Gesprächen zwischen Wind und Wasser.
Afrika erleben – Reisen und Kultur
Marabu – Literatur und Reise
Afrika-Reiseberichte – aktuelle Berichte und Erfahrungen
Meyers Konversations-Lexikon 3. Auflage 1874 - 1884
Wikipedia – Die freie Enzyklopädie

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Ich hatte mit ihr die größte Freude gestiftet, die es nur geben kann. Als sich das Entzücken des Vorstehers einigermaßen gelegt hatte, wandte er sich wieder zu mir: Herr, dieser Hund ist nun dein. Spucke ihm dreimal in das Maul, und nimm ihn heut unter deinen Mantel, wenn du schlafen gehest, so wird er dich nie wieder verlassen! Der Engländer hatte das alles mit angesehen, ohne den Vorgang recht zu verstehen. Er fragte mich: Zem-Zem verschenkt, Master? Ja. Well! Immer fort damit! Wasser ist Wasser! Wißt Ihr, was ich dafür bekommen habe? Was? Diesen Hund. Wie? Was? Nicht möglich! Warum nicht? Zu kostbar. Kenne die Hunde! Dieser ist fünfzig Pfund wert! Noch mehr. Aber dennoch gehört er mir. Warum? Weil ich der Tochter des Ortsvorstehers das Armband geschenkt habe. Schrecklicher Kerl! Kolossales Glück! Erst Pferd von Mohammed Emin, gar nichts zu bezahlen, und nun auch Windhund! Ich Pech dagegen. Nicht während er dieses a priori nachwies, barst das Schiff vollends, und alles ging unter mit Ausnahme von Pangloß, Candid und jenem rohen Matrosen, der den tugendhaften Wiedertäufer ertränkt hatte. Wenn der junge Antonio seinen Vater besuchte, ging er voll Ehrfurcht durch die Hallen, blieb aufgeregt vor den Portalen stehen, um vornehme Leute an sich vorüberwandeln zu lassen, und einst wurde er erwischt, als er sich in ein Prunkgemach geschlichen hatte und mit Entzücken den Möbelstoff eines Sessels betastete. Er hatte die Manie, bunte Stoffe, Hutbänder, Photographieen von Leuten der großen Gesellschaft, ferner Visitenkarten mit erlauchten Namen, Spitzenreste, Stiche aus Modenblättern und einzelne Handschuhe, die er vor einem Ballsaal oder einem Bazar aufgelesen, zu sammeln, und durch diese Schwäche verwandelte er das billige Mietszimmer, das er bewohnte, in eine Schaubude, einen Triumph der Abgeschmacktheit. Ob es nun die Säle des Vatikans oder die königlichen Gärten oder die nächtlich erleuchteten Fenster eines Palastes am Corso oder die Ringe an der Hand einer schönen Frau oder die Orden auf der Rockbrust eines Generals waren, stets empfand er beim Anblick von Dingen, die an Macht, Herrschaft und Reichtum erinnerten, den Groll eines Menschen, der um den rechtmäßigen Genuß seines Eigentums betrogen wird. […] Mehr lesen >>>


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