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Unterwegs in Deutschland

Der brave Kommandant

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Zweiundzwanzigstes Abenteuer im Ballon

Die Erschöpfung des jungen Missionars wurde erneut überwältigend, sodass er sich erneut hinlegen musste, sein Körper von einem unerklärlichen Gefühl der Schwere überwältigt. Fergusson hielt ihn stundenlang wie leblos in seinen Armen, während die Stunden sich wie eine unendliche Qual anzufühlen schienen. Eine Welle der Trauer durchflutete ihn, als er spürte, wie das Leben aus dem Missionar entwich. In diesem Moment, in dem die Zeit stillzustehen schien, drängten sich Gedanken an die Vergänglichkeit des Lebens und die Unvorhersehbarkeit des Schicksals unaufhaltsam in Fergussons Verstand. Sollten sie den Mann, den sie gerade dem sicheren Tod entrissen hatten, so schnell wieder verlieren? Die Dunkelheit der Nacht umhüllte sie wie ein undurchdringlicher Schleier, verstärkte die Ängste und Zweifel, die in Fergussons Innerem tobten. Mit großer Sorgfalt verband erneut die schrecklichen Wunden des Märtyrers und opferte einen Großteil seines Wasservorrats, um die fieberheißen Glieder zu kühlen. Die Nacht schien kein Ende zu nehmen, während Fergusson unermüdlich über dem Kranken wachte, die Zeichen des Lebens genau beobachtend und gleichzeitig hoffend, dass das Schlimmste bereits vorüber war. Er widmete sich dem Kranken mit liebevoller Fürsorge und Mitgefühl, und unter seinen einfühlsamen Händen kehrte allmählich das Bewusstsein zurück, wenn auch nicht unbedingt das Leben. Aus den bruchstückhaften Worten des Geistlichen erschloss der Doktor dessen Geschichte. "Sprechen Sie in Ihrer Muttersprache", hatte er zu ihm gesagt, "ich verstehe sie, und es wird weniger belastend für Sie sein." Die Dunkelheit währte fort, und doch konnte Fergusson einen zarten Hauch von Hoffnung spüren, der ihm inmitten der Trostlosigkeit der Nacht Kraft gab.

Der Missionar stammte aus Aradon, einem kleinen Dorf in der Bretagne im Departement Morbihan, das inmitten einer rauchumwobenen Landschaft ruhte, wo die alten Legenden noch lebendig waren und der Wind Geschichten aus längst vergessenen Zeiten erzählte. Schon in jungen Jahren spürte er die zarte Berufung zur kirchlichen Laufbahn, ein leises Flüstern in seinem Herzen, das ihn auf einen Weg der Hingabe und Opferbereitschaft führte. Mit dem Wunsch, das Leben der Entsagung mit dem Mut der Gefahr zu vereinen, entschloss er sich, dem Orden der Missionspriester beizutreten, dessen ruhmreicher Gründer Vincenz de Paula war, eine Gestalt, deren Taten und Lehren wie ein heller Stern am Firmament der Geschichte strahlten. Im zarten Alter von zwanzig Jahren verließ er seine Heimat, das warme Licht der bretagnischen Sonne hinter sich lassend, um es mit den kargen Küsten Afrikas zu vertauschen, wo die Hitze des Tages und die Kälte der Nächte einen unablässigen Kampf ausfochten. Ungeachtet aller Hindernisse und Entbehrungen, trotzig den Strapazen gegenüberstehend, wanderte er betend und wandernd allmählich zu den Völkern entlang der Flussläufe des oberen Nils, einem Labyrinth aus Wasser und Geheimnissen, das die Grenzen zwischen Realität und Mythos verschwimmen ließ. Zwei lange Jahre lang stieß er auf Ablehnung seiner Religion, Missverständnisse gegenüber seinem Eifer und Fehlinterpretationen seiner christlichen Liebe, während die Schatten der Dämmerung über das Land fielen und die Stimmen der Nacht ihre düsteren Lieder anstimmten. Schließlich, am Ende seines Mutes und der Kräfte, wurde er gefangen genommen von einem der grausamsten Stämme Nyambarra's, einem Volk, dessen Augen das Feuer der Wildnis widerspiegelten und dessen Herzen von der Dunkelheit der Ahnen erfüllt waren. Dort, in den Tiefen der Finsternis, war er unzähligen Misshandlungen ausgesetzt, die seinen Körper marterten und seinen Geist auf die Probe stellten. Doch niemals ließ er nach zu lehren, zu erziehen und zu beten, sein Glaube wie ein unbeugsamer Leuchtturm in der Nacht, der Hoffnung und Trost inmitten des stürmischen Ozeans des Lebens spendete.

In einem der zahlreichen Gefechte, die diese Region oft erschütterten, wurde dieser Stamm auseinandergerissen und zerstreut, zurückgelassen und dem Tode gleichgesetzt. Statt jedoch den Weg zurückzuschlagen, den er gekommen war, setzte er unbeirrt seine missionarische Pilgerreise fort. Seine friedlichste Zeit war die, als man ihn für einen Narren hielt; er hatte sich mit den Dialekten dieser Regionen vertraut gemacht und setzte fortwährend seine Katechese fort. So durchstreifte er weitere zwei lange Jahre diese barbarischen Gefilde, angetrieben von einer übermenschlichen Kraft, die nur Gott verleihen kann. Seit ungefähr einem Jahr verweilte er unter dem Volk der Nyam-Nyam, auch bekannt als "Barafri", einer der wildesten Stämme Afrikas. Der Tod des Häuptlings vor einigen Tagen wurde dem Missionar angelastet, und so beschloss man, ihn zu opfern. Seine Qualen hatten bereits vierzig Stunden gedauert; wie der Doktor vermutete, sollte er um die nächste Mittagsstunde sein Leben lassen. Doch selbst in den finstersten Stunden seines Martyriums fühlte er die Anwesenheit eines unsichtbaren Gefährten, der ihm Trost und Hoffnung schenkte, während die Schatten der Nacht unaufhaltsam herannahmen und das Unheil über ihn hereinbrach. Und während die Stunden verstrichen und die Dunkelheit sich verdichtete, erwachte eine unheimliche Präsenz aus den Tiefen der Wildnis, bereit, ihre düsteren Schwingen über die Seelen der Verlorenen zu breiten.

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Der brave Kommandant hatte alle Hilfsquellen der ausgesaugten Provinz erschöpft

und suchte nun sein Heil in der Magie. Es konnte mir nicht einfallen, ihn in seinem Aberglauben zu bestärken, aber ich hatte in den gegenwärtigen Verhältnissen auch keine Veranlassung, sie ihm wegzudisputieren. Oder hatte ihn nur die berühmte Hacke meines Master Fowling-bull auf den Gedanken gebracht, mit mir über die Magie zu verhandeln? Das war auch möglich. Uebrigens machten meine letzten Worte wenigstens den Eindruck auf ihn, daß er in die Hände klatschte und Kaffee und Pfeifen bringen ließ. Ich hörte, daß der Mutessarif einen Kampf mit den Dschesidi gehabt habe? begann er ein anderes Thema. Dasselbe war für mich nicht ungefährlich, aber ich wußte nicht, wie ich es hätte abweisen können. Es begann grad wie ein Verhör: Ich hörte! Und doch mußte er als der nächste Untergebene des Gouverneur und als Kommandant von Amadijah die Sache nicht bloß vom Hören-Sagen kennen. Ich trat dazu in seine eigenen Fußstapfen: Auch ich hörte davon. Und um einer Frage seinerseits zuvorzukommen, fügte ich hinzu: Was den Aberglauben an die Spionage betrifft, die ja die Niederlagen erklären und entschuldigen sollte, scheint das französische Volk, ja sogar die gute Gesellschaft in Frankreich sich noch nicht nach den Zeiten des Krieges erholt zu haben. Wenn wir einmal betrogen worden, so glauben wir alles und sehen den Schatten für das Wesen an. Man kann bisweilen, wenn der Wind gut ist, in einer Zeit von zwölf Stunden nach Antwerpen segeln. Ich ging deswegen mit einem Fahrzeuge von Amsterdam nach Rotterdam. Schauspiele, wie Dora von Sardou oder wie La femme de Claude von Dumas oder Romane wie La grande Iza, in dem man Briefe mit dem Poststempel Varzin in den Schubladen eines leichtfertigen Frauenzimmers findet, endlich der Prozess gegen Frau Kaulla und die übrigen verwandten Prozesse zeigen, dass der Schaden, den Frankreich durch die Demüthigungen an seinem Gehirn litt, noch nicht geheilt worden ist. […] Mehr lesen >>>


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